300 Jahre unter Brettern verborgen

Eines der bekanntesten Werke Tilmann Riemenschneiders war 300 Jahre unter einem Bretterverschlag verborgen: die evangelische Gemeinde hatte für das katholische Bildmotiv keine Verwendung und versteckte es hinter einem Bretterverschlag, an dem die Kränze für die Beerdigungen auf dem nahen Friedhof aufgehängt wurden.

So ist das Marienretabel mit der Himmelfahrt Mariens in seiner Ursprünglichkeit erhalten. Geschaffen in den Jahren 1505 – 1508. Die Darstellungen in den Seitenflügeln gehen ähnlich wie bei der Rosenkranzmadonna auf Grafiken Martin Schongauers zurück.

In Darstellung des Zwölfjährigen Jesus findet man ein Selbstbildnis des Meisters.

Zukunftsorientierte Pastoral statt Museum

Als die Augustiner vor 6 Jahren die Kirche in der Würzburger City neu gestalteten, hatte die Pastoral den Primat vor einem rückwärtsgewandten Denkmalschutz. Es wurde ein Gottesdienstraum geschaffen, der viele Menschen anzieht. Eine zukunftsorientierte Gestaltung in einem alten Gemäuer. So kann Kirche überleben!


Ein „Zwischenraum“ für die Trauer der Menschen lädt alle Trauernden und Traurigen zum Verweilen ein. Ein Kreuzweg „aus der Sicht“ Jesu lässt den Gefühlen des Betrachters Raum. Links: Jesus am Kreuz sieht noch einmal die Stadt Jerusalem. Rechts: Jesus stirbt am Kreuz und blickt hinein in ein ewiges Licht. In der Mitte: Jesus am Karsamstag.

Sein letztes Marienbild

Für die Wallfahrtskirche „Maria im Weingarten“ schuf Tilmann Riemenschneider 1521 die Rosenkranzmadonna. Damals erhoffte man sich eine Wiederbelebung der Wallfahrt zur schmerzhaften Mutter (Pieta aus dem Jahre 1340). Martin Schongauer mit seinen Grafiken lieferte die Vorbilder für die Darstellungen in den 5 Medaillons der Rosenkranzmadonna, die von 50 (5×10) Rosen umgeben ist. Eine AnnaSelbdritt aus der Riemenschneider-Umgebung komplettiert die Andachtsbilder in der kleinen Kirche aus dem 15.Jahrhundert.

Begnadete Hände

So hieß ein Film in den 50er des letzten Jahrhunderts über Tilmann Riemenschneider, der im 15.Jahrhundert in Würzburg wirkte. Ihm gelang es, aus Stein und Holz Schönes zu erwecken.


Adam mit Davids Arm

1491/93 schuf er Adam und Eva für das Portal der Marienkapelle in Würzburg. Lange Zeit waren die Figuren verschollen. Erst im 19.Jahrhundert wurden sie wiedergefunden und der fehlende rechte Arm ersetzt mit einer Plastik, die sehr dem Arm des David von Michelangelo gleicht. 1894 hat der Pfarrer sie ins Museum schaffen lassen weil sie nackt waren. So prüde war das 19.Jahrhundert.


Die Schmerzensmutter, wohl ursprünglich teil einer Kreuzigungsgruppe. Voller Trauer ist Maria in sich gekehrt.


Der Heilige Sebastian – Fachleute erkennen sofort, nur die Hände sind vom Meister Riemenschneider selbst. (Um 1516 entstanden)