1000 Jahre für das 21.Jahrhundert

Ein gelungenes Beispiel für eine umfassende Generalsanierung liefert der Hildesheimer Dom. Das 1000 Jahre alte Bauwerk, im Krieg fast völlig zerstört und danach wiederaufgebaut, wurde zuletzt grundlegend saniert. 


Dabei ging es darum, den Dom im Inneren so zu gestalten, dass er als Kirche den Menschen des 21. Jahrhunderts dienen kann. „Kirche ist immer im Wandel“, sagte die Domkustodin Dr. Höhl dazu. Ein Satz, der manchem Denkmalschützer, der nur das Alte wie für ein Museum bewahren will, kaum gefallen kann.


Das Ergebnis ist ein helles, einladendes Bauwerk, dessen Inneres auf das Wesentliche reduziert wurde. 

Das Bernwardsportal, fast 1000 Jahre alt, ist nicht nur ein Zeugnis mittelalterlicher Kunst. Sein theologisches Programm lädt zur eingehenden Betrachtung ein.


Im Dommuseum fanden viele Objekte einen Platz, die früher im Dom zu sehen waren – sehr ansprechend kombiniert mit moderner Kunst. So wird auch dieser Ort zu einer Stätte, wo sich die 1000jährige Geschichte mit dem 21. Jahrhundert verbindet.


Corvey

Den Abschluss der Reise bildete ein Besuch in Corvey. Das karolingische Westwerk der Basilika ist das 5.Weltkulturerbe in NRW.

Wenn der Löwe ans Portal kratzt

Einen Löwen soll Heinrich der Löwe von seinem Kreuzzug mit nach Hause gebracht haben und weil dem Tier der Eintritt in die Kirche St.Blasius, dem heutigen Braunschweiger Dom, verwehrt wurde, kratzte das Tier heftig am Portal, so dass man bis heute die Kratzspuren in der Einfassung des romanischen Portals sehen kann. So jedenfalls wird es den Kindern erzählt – ob sie es staunend glauben, sei dahingestellt.


Die Reise führt uns immer weiter nach Osten und doch begegnen wir architektonischen Zeugnissen, die eher an die architektonische Tradition unserer westlichen Nachbarn erinnern. So auch die 1173 als Kollegiatstiftskirche von Heinrich dem Löwen, gegenüber seiner Burg Dankwarderode „zur Ehre St. Blasius’ und St. Johannis des Täufers“ erbaute romanische Basilika, die seine Grablege und die seiner zweiten Gemahlin Mathilde von England werden sollte.


Heinrich wollte ein Abbild des Tempels in Jerusalem errichten – deshalb auch der siebenarmige Leuchter im Altarraum. Der dreischiffigen romanischen Basilika wurde zwischen 1322 und 1346 an der Südseite ein weiteres Seitenschiff angefügt. Nachdem man auf der Nordseite das dortige Seitenschiff abgetragen hatte, erbaute man an seiner Statt 1472  eine zweischiffige spätgotische Halle. Ungewöhnlich sind an diesem Bauteil  die gedrehten Säulen und figurierten Rippengewölbe.


Königslutter

Noch weiter im Osten treffen wir in Königslutter auf den Kaiserdom Lothar III. 1135 legt Kaiser Lothar III. den Grundstein für die Benediktiner-Kirche St.Peter und Paul, den heutigen Kaiserdom. 1137 starb er und wurde in der noch unvollendeten Kirche beigesetzt.


Zwei Löwen begrüssen den Besucher zu beiden Seiten des Haupteingangs in die romanische Basilika, die zur Zeit ihrer Erbauung die größte Kirche in Norddeutschland war. Ende des 19.Jahrhunderts wurde das Innere im Stil des Historismus gestaltet und ausgemalt. Von ihrer Ursprünglichkeit zeugen noch der romanische Kreuzgang und einige herausragende Bildhauerwerke der Romanik. 


Der Besucher staunt über die Altlanten im Kreuzgang ebenso wie über die schmuckvollen Kapitelle im Chorraum und Kreuzgang, die wohl von italienischen Bildhauern geschaffen wurden. So weit im Osten war die einheimische Bildhauerkunst im 12.Jahrhundert noch nicht verbreitet.

Wenn das Kreuz Schatten wirft

Eine Christusfigur von Thomas Duttenhoefer (aus dem Jahre 2008) wirft seine Schatten auf die Apsis der Michaeliskirche in Hildesheim.

 

So sieht der Betrachter nicht nur ein Kreuz – sondern drei – wie es die Evangelisten von der Kreuzigung Jesu berichten. Die Szene lädt ein, auch die beiden Schächer mit in den Blick zu nehmen und sich vielleicht selbst neben dem Kreuz zu postieren.

Das Kreuz hat eine Höhe von 3,40 Meter und besteht aus Eisen, das mit Eisennitrat gerostet worden ist. „In einer Automobilgesellschaft ist Rost der Feind, hat aber eine warme Ausstrahlung“, erklärt der Künstler. Der linke Arm der Christusfigur zeigt in die Höhe und ist höher als der rechte. Kein erstarrter Jesus. Die Dynamik des Ostermorgens deutet sich.

Hildesheim – eine wieder auferstandene Stadt

Sieben Wochen vor Kriegsende wurde die Hildesheimer Altstadt bei Bombenangriffen der Allierten zu 90 Prozent zerstört. Die Nachkriegsbebauung verdeckte zwar die Wunden der Zerstörung, gab der Stadt aber kein Gesicht. Wie schon im frühen Mittelalter, so waren es auch in den Achtziger Jahren des 20.Jahrhunderts die Hildesheimer Bürger, die der Stadt wieder ein ansehnliches Gesicht gaben. Herausragendes Beispiel der Marktplatz mit seinen wieder errichteten alten Fassaden.


Ein anderes Beispiel für einen gelungenen Wiederaufbau nach dem II.Weltkrieg ist die Michaeliskirche, die 15 Jahre nach Kriegsende wieder in ihrer alten romanischen Schönheit hergestellt war. Die doppelchörige Anlage von Bischof Bernward 1022 eingeweiht, war wie viele andere Kirchen des 11.Jahrhunderts (auch das Bonner Münster) ein steinernes Bekenntnis gegen die Resignation, die damals nach der Jahrtausendwende herrschte als viele das Ende der Welt befürchteten. Kirchbauten waren immer ein Hoffnungszeichen, denn diejenigen, die den Bau begannen, erlebten selten ihre Fertigstellung.



Herausragendes Kunstwerk ist die Holzdecke aus der ersten Hälfte des 13.Jahrhunderts. Es zeigt den Stammbaum Christi, beginnend mit Adam und Eva, gefolgt von der Wurzel Jesse.