Wer zählt die Gebete?

Wenn man die zahlreichen Stufen zur Kathedrale von Le Puy hinaufgestiegen ist und vor der schwarzen Madonna steht oder kniet, kann man nur staunend still werden. Wieviele Gebete sind hier seit dem 5.Jahrhundert zum Himmel emporgestiegen? 


Es ist eines der ältesten Marienheiligtümer der Welt. Wieviel Freude, wieviel Klage, wieviel Dank, Bitte und Frage hat hier die Gottesmutter erreicht? Das ursprüngliche Heiligtum war errichtet worden, nachdem Maria einer kranken Frau erschienen war. Diese war geheilt worden, nachdem die Kranke sich auf einen Dolmen (d.h. auf einem prähistorischen Steinblock) hingelegt und um Heilung inständig gebetet hatte. Danach wurde dieser Stein ,,Fieberstein“ genannt.

Der Fieberstein – ein Ort des Gebetes für alle Leidenden

Im Festtagsgewand: die schwarze Madonna

Die heutige Kirche wurde im romanischen Stil erbaut, hat barocke, byzantische, italienische und mozarabische Elemente. Unterschiedliche Baumeister, zuletzt im 19.Jahrhundert, haben ihre Spuren hinterlassen. 



Die schwarze Madonna, eine in typisch äthiopischem Stil gestaltete Statue, nach der Überlieferung ein Geschenk des Heiligen Ludwig, wurde in der französischen Revolution verbrannt und durch die heutige ersetzt, welche aus dem 17. Jh. stammt. Vor ihr beginnen viele Pilger nach Santiago de Compostella ihren Pilgerweg. Ihre Zahl kann niemand zählen und was mit ihnen geschehen ist, weiß nur der, der ihre Gebete gehört hat.



Die Kathedrale von Le Puy ist keine Kirche zum Schauen, wie die vielen anderen, die wir auf der Reise gesehen haben. Es ist mehr als die anderen ein Ort des Gebetes – seit anderthalb Jahrtausenden. Allein deshalb lohnt sich der mühevolle Aufstieg.

Am Abend – die Kathedrale in Licht und Farbe